Brut

Wer sich Pullaria zulegt, möchte natürlich auch züchten. Das Problem war das Brutverhalten der Orangeköpfchen. Wie unter “Allgemeines” schon erwähnt, graben sie ihre Bruthöhle überwiegend in verlassene Baumnester der Termiten. Das machte einiges Kopfzerbrechen. Versuche mit Lehm, Lehm-Sand oder Lehm-Holzspähnemischungen brachten nicht die gewünschten Ergebnisse. Erst nachdem der Nistkasten mit Korkplatten ausgelegt wurde kamen die Erfolge. Ich habe festgestellt, dass die Größe des Kastens eine untergeordnete Rolle spielt und mich auf die Größe 35 cm breit, 22 cm tief und 22 cm hoch festgelegt. Diesen Kasten lege ich mit 5 cm dicken Korkplatten aus. So passen 4 Platten übereinander und es bleiben noch 2 cm Luft. Der Kork muss unbehandelter Naturkork sein (verwendet als Dämmplatten im Bau). Das Einflugloch (5 cm Durchmesser) bringe ich mittig und davon ca. 3 cm tiefer an. Das Weibchen gräbt einen Gang schräg nach oben, dann entweder nach rechts oder nach links weiter, sodann wieder in Richtung Vorderseite, bis sie eine etwa faustgroße Mulde aushebt. Der Vorteil der Platten besteht darin, dass man Platte für Platte zur Kontrolle abnehmen kann.

In den Monaten April/Mai und September/Oktober beginnen meine Zuchtpaare mit Brutvorbereitungen. D.h., sie sind oft im Kasten, das Männchen wird vom Weibchen laut kreischend zum Füttern aufgefordert, und letztendlich kommt es zur geräuschvollen mehrminütigen Kopulation. Mit etwas Glück liegen später 3 bis 5 Eier im Kasten. Noch ein wenig Glück und sie sind befruchtet. Dass das Weibchen die Eier nach dem 3. Ei auch bebrütet, dürfte nicht mehr das Problem sein. Bei mir waren sie darin sehr zuverlässig. Sie sitzen sehr fest und mussten gegebenenfalls bei bei einer Kontrolle beiseite geschoben werden.

Sind alle Jungen geschlüpft sollte die Temperatur stimmen. Mit einem Messfühler kann ich die Temperatur im Kasten leicht jederzeit von außen kontrollieren. Die 28 bis 30 Grad Innentemperatur, wie in den Anfangszeiten beschrieben, sind nicht erforderlich. Außerdem ist es nicht möglich, die echte Innentemperatur zu messen. Das Weibchen strahlt Wärme aus, und auch die Jungen entwickeln von Tag zu Tag mehr Eigenwärme. Wie viel  Wärme ich zuführe oder ob dies überhaupt notwendig ist, hängt entscheidend von der Raumtemperatur ab. Während des Brütens  halte ich die Raumtemperatur bei ca. 18 bis 20 Grad und die Luftfeuchtigkeit um ca. 60%. Sind alle Jungen geschlüpft, erhöhe ich auf ca. 23 Grad. Je nachdem für wie lange das Weibchen zwischendurch das Nest verlässt, gebe ich von außen Wärme zu. Ein Indikator für die Wärmezugabe ist auch die Lage der Jungen. Liegen sie nicht zu eng aneinandergepresst, ist wahrscheinlich die Temperatur angenehm. Drängen sie sich heftig aneinander, könnte es zu kalt sein. Ist der Raum nicht beheizbar empfehle ich, den Kasten zusätzlich zu erwärmen.

Ich habe nur vier ZP und kann es mir dadurch leisten, die Kästen außen anzubringen; das beansprucht allerdings mehr Platz. Es hat aber den Vorteil einer leichteren Kontrolle sowie einer unproblematischen Wärmezuführung. Sollte diese nötig sein bringe ich einen Dunkelstrahler (150 W) so an, dass die Stelle wo sich die Jungen befinden, von außen gewärmt wird. Ob dies nötig ist, liegt an den oben genannten Kriterien.

Während der Aufzucht gebe ich zusätzlich halbreife Kolbenhirse,  Hafer in der Milchreife (eingefroren) und natürlich hart gekochtes Ei. Letzteres wird allerdings nicht von allen Paaren angenommen. Nach 42 Tagen (häufig auf den Tag genau) verlassen die Jungen den Kasten. Zwei bis drei Wochen lasse ich sie bei den Eltern, bis sie dann in eine große Flugvoliere umgesetzt werden. Während der Entwöhnung habe ich nie aggressives Verhalten seitens der Alttiere bemerkt.

Mit Ende des Jahres 2018 ist auch die Brutsaison beendet, die Jungvögel sind selbständig und haben sich durch den Aufenthalt in der Flugvoliere prächtig entwickelt. Entweder wurden sie abgegeben oder in meine Zucht eingesetzt. Meine Zuchtpaare befinden sich bis etwa Mitte/Ende April in der Ruhephase. Die Fütterung gestalte ich jetzt magerer. Also, kein Keimfutter, wenig Feigen usw. Ende April, Anfang Mai bekommen sie wieder üppigeres Futter. Ob sie dann aber auch mit der Brut beginnen, entscheiden letztlich nur sie allein.